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Pressemitteilung 13. Mai 2012

vlnr: Inge Landmann (Vorstand LAG Lesben in NRW und Jury Augspurg-Heymann-Preis), Lara Müller (Dichterin), Nicole Kagerer (Chorleiterin Melodykes), Fabienne Stordiau (Wirtschaftsweiber NRW und Allround Team GmbH, Köln), Dr. Inge von Bönninghausen (Preisträgerin 2012), Marlis Bredehorst (Staatssekretärin im MGEPA NRW), Dr. AnnMarie Krewer (Moderatorin und Jury Augspurg-Heymann-Preis) - Foto von Dietrich Dettmann (Freshmagazin)

Der Preis der LAG Lesben in NRW für öffentlich engagierte Lesben ging in diesem Jahr an Dr. Inge von Bönninghausen, die Grande Dame der feministischen Medienpräsenz.
Die Preisverleihung konnte aufgrund großzügiger Spenden und Sponsoren wie Allround Team GmbH, Wirtschaftsweiber NRW, Sappho Frauenwohnstiftung, Archiv der deutschen Frauen-
bewegung und anderen Spenderinnen durchgeführt werden. Sollte das MGEPA die Preisverleihung nicht durch Projekt-
mittel finanzieren, liegen aus den LAG-Mitgliedsgruppen dankenswerter Weise schon Bürgschaften vor.

Verleihung des Augspurg-Heymann-Preises für couragierte Lesben an die Journalistin Inge von Bönninghausen

1991 sorgte Inge von Bönninghausens öffentliches
Bekenntnis zur eigenen lesbischen Identität in ihrer WDR-Fernsehreihe Frauen-Fragen (später frauTV) für
Begeisterung unter den Zuschauerinnen. „Ich kenne eine
Lesbe – und Sie?“ hieß die Sendung, bei der sie sich gemeinsam mit Interviewpartnerin Viola Roggenkamp
gleich mit den eröffnenden Worten outete.
„Wir lechzten nach Vorbildern“, sprach Laudatorin und
taz-Chefredakteurin Ines Pohl denjenigen aus der Seele,
die bis dahin noch jegliche lesbische Identifikationsfigur in
den Medien bitter vermisst hatten. Inge von Bönninghausen, so Pohl, hat „mutig immer wieder Themen gesendet, die die herrschende Ignoranz stören“ und „unliebsame Wahrheiten in den öffentlichen Diskurs eingebaut.“ Die Mitbegründerin des Journalistinnenbundes, ehemalige Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, Vorstandsfrau der Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung und der Lobby für Mädchen will Diskriminierung, Vergewaltigung und Verstümmelung von Frauen und Lesben weltweit bis heute nicht verschweigen. Ines Pohl bemerkte sehr treffend, dass die Auszeichnung zweier BILD-Redakteure nicht der einzige Skandal beim diesjährigen Henri-Nannen-Preis war – keine einzige Frau wurde ausgezeichnet. Es ist mehr als Zeit für die 30%-Frauenquote in journalistischen Führungspositionen, für die Inge von Bönninghausen eintritt!

Dem setzt die LAG Lesben in NRW mit dem zum vierten Mal verliehenen Augspurg-Heymann-Preis etwas Kraftvoll-Positives entgegen. „Wir vergessen in unserer Gesellschaft oft, uns zu bedanken“, erklärte die Vorjahres-Preisträgerin und Frauenfußballerin Tanja Walther-Ahrens, die wegen ihrer gleichzeitigen Fernsehverpflichtung für den West-ART-Talk gegen Homophobie per Filminterview präsent war. Der Preis gebe ihr Mut und erinnere sie, wann immer die öffentliche Ignoranz sie bei ihren unerfreulicheren Korrespondenzaufgaben zu demotivieren drohe, daran, dass es auch Menschen gebe, die das, was sie tut, wertschätzen. Für Staatssekretärin Marlis Bredehorst ist der Augspurg-Heymann-Preis „der wichtigste Preis überhaupt“ und „einer der Höhepunkte des Jahres“.

Das ist bei der alljährlich überschwänglichen Atmosphäre dieses besonderen Ereignisses und dem allumfassenden Gefühl herrlich berechtigter Feierlaune auch nachvollziehbar. Der Veranstaltungsrahmen, diesmal im stilvollen Düsseldorfer Malkasten, stimmte in allen Details von der eleganten Anmoderation bis hin zum perfekten Catering beim großen Sektempfang. Für melodische Laune sorgten die Melodykes aus Düsseldorf vor allem mit ihrem Mitmachohrwurm „I like strong women“ ?. Und wie immer gab es auch ein Forum für Nachwuchskünstlerinnen; so präsentierte Lara Müller vom PULS-Jugendzentrum Düsseldorf ihren Spoken-Word-Vergleich zwischen Frauen und Schokolade zu stürmischem Beifall des gerührt mitgehenden Publikums. Standing Ovations und anhaltenden Jubel gab es für Laudatorin und Preisträgerin gleichermaßen. O-Ton von Bönninghausen: „Sowas hab ich lang nicht mehr erlebt.“

„Ohne Inge von Bönninghausen wäre nichts so gut, wie es jetzt immerhin ist“, schloss Ines Pohl ihre Laudatio. „Wir alle brauchen Frauen wie sie, die nicht lockerlassen, die ihren Mut und Optimismus nie verlieren.“ Und das stimmt ganz sicher – in der Medienlandschaft ebenso wie in der Politik. (Susanne Lück)

Augspurg-Heymann-Preis